11/04/2026
“Ich liege jetzt schon eine ganze Weile hier. Zweite Reihe von oben, ein kleines bisschen nach links gerückt, genau im Blickfeld – zumindest bilde ich mir das ein. Neben mir ein Knäuel, das sich für etwas Besseres hält, weil es ein bisschen flauschiger ist als ich. Und unter uns diese eine Farbe, die wirklich immer sofort genommen wird. Kaum liegt sie da, ist sie auch schon wieder weg. Schon bisschen ein angeberisch, wenn man mich fragt.
Mein Tag beginnt meistens ruhig, bis irgendwann die ersten Kundinnen kommen und endlich dieses langsame Durch-das-Regal-Streifen startet. Das ist immer ein besonderer Moment. Da wird noch nichts entschieden. Da wird geschaut, gefühlt, manchmal auch einfach nur ein bisschen geträumt. Ich mag diese Phase. Da hat man noch alle Chancen.
Dann geht’s los. Hände kommen näher, bleiben kurz stehen, greifen dann doch lieber nach rechts. Oder nach links. Oder genau nach mir – was ich natürlich sehr begrüße. Ich werde angehoben, ein bisschen gedrückt (durchaus angenehm so eine kleine Massage), einmal gedreht, die Banderole wird gelesen. „Oh, das ist schön…“ höre ich dann manchmal. Und dann kommt dieses kleine, leise „Aber…“
Heute im Blog - das Leben eines Wollknäuels 😁
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