08/06/2014
Europa im Wandel – Fluch oder Segen für das Handwerk
Im europäischen Vergleich stellt das deutsche Ausbildungssystem eine Besonderheit dar. Am deutlichsten wird dies beim Handwerk. Eine Meisterprüfung gibt es nur in Deutschland. Doch über die Grenzen hinaus genießt gerade jene ein hohes Ansehen. Steht sie doch für Qualität und Qualifikation, zwei Merkmale die sich unmittelbar bedingen.
Nun will die EU-Kommission prüfen, ob mit dem Wegfall des Meistertitels möglicherweise der Fachkräftemangel aufgefangen werden kann, damit die Wirtschaft neuen Schwung erhält und der Binnenmarkt weiter mobilisiert wird. Die EU-Kommission ist der Meinung, dass der Kunde dann die gleiche Leistung für weniger Geld erhält.
Eine Meinung, die das deutsche Handwerk verständlicherweise nicht teilt. Natürlich wollen auch sie ein Stück vom europäischen Wirtschaftskuchen, doch zu anderen Konditionen. Es vergleicht die Abschaffung des Meisters mit der Abschaffung der Schulpflicht. Brüssel hält dagegen, dass es nur um eine Prüfung gehe und die hohe Qualität des Ausbildungssystems bekannt sei.
Trotzdem fürchten Handwerkskammern um den Wegfall des Meistertitels und damit einem Wegfall des Qualitätsversprechens. Stellvertretend steht die Statistik des Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Uni Göttingen. Dieses stellte fest, dass nur 3% der Betriebe, die ohne Meistertitel gegründet wurden, ausbilden. Dem gegenüber stehen 20% der Betriebe mit Meistertitel.
Seit den Harzreformen ist es 53 Handwerken gestattet, ohne Meisterbrief eigene Betriebe zu eröffnen und auszubilden. Gleichwohl ist die Zahl der Handwerksbeitriebe im Zeitraum von 2003 bis 2009 um mehr als 100.000 gestiegen.
http://www.1a-handwerker.eu/handwerker-news/die-wirtschaftsmacht-handwerk-im-aufschwung.html
Studium oder Ausbildung?