05/10/2026
Ja, ich bin Schuld.
Ich bin Frau, Mutter, Lehrerin.
Ich bin Teil des Problems.
Ich bin Schuld an der Bildungsmisere.
Vielleicht bin ich auch Schuld an Ängsten, an Depressionen, an Süchten.
Denn ich bin Teil des Systems. Und damit bin ich Teil des Problems.
Und ich will Teil der Lösung sein.
Ich will, dass Schule ein Ort ist, an dem sich jeder Mensch wohl fühlt, gesehen wird, sich entfalten kann.
Ich wünsche mir Mut, die Dinge anders zu machen.
Mut, sie Grauzonen der Vorschriften auszureizen.
Mut, sanft zu sein.
Vor allem aber wünsche ich mir Mut, nicht an Symptomen rumzubasteln, sondern die Ursachen anzupacken.
Die lauten Systemsprenger zeigen uns den Weg.
Die Stillen, die nicht reden, zeigen uns den Weg.
Was ist ihr Warum? Und was braucht es, dass Schule für alle funktioniert?
Ja, ich bin Schuld.
Ich bin Schuld, dass ein Junge auch mit zwei Stunden Verspätung ohne Angst in den Unterricht kommen kann, weil ich ihn mit einem „Schön, dass du noch gekommen bist“ begrüße.
Ich bin Schuld, dass Schüler sich gesehen fühlen, weil ich sie mit einem Brofist auf dem Schulflur begrüße.
Ich bin Schuld, dass der Hintern meiner Schülerin nicht von langen Sitzen auf den harten Stühlen schmerzt, weil sie auch auf dem Sofa, in der Fensterbank oder auf dem Fußboden arbeiten darf.
Ich bin unbequem für die, die streng nach Vorschrift arbeiten.
Ich bin Frau, Mutter, Lehrerin.
Aber ich war mal Mädchen und Schülerin.
Ich bin angetreten, um es anders zu machen.
Jedes Verhalten hat eine Ursache.
Jeder Mensch trägt einen Rucksack.
Was sich in diesem Rucksack befindet, wirst du niemals ganz erfahren.
Also sei Schuld.
Sei Schuld an der Verweichlichung der Gesellschaft.
Sei der Mensch, der heute einem Kind das Gefühl gibt, dass es wertvoll ist.
Sei Schuld, dass ein Kind lernt, dass es gut ist, wie es ist.
Sei Schuld!
Herz zählt! 🤍