Die Raumakten

Die Raumakten Die Raumakten. Wahre Fälle. Echtes Wissen zu Räumen, Feng Shui und Raumplanung. Klar, verständlich und ohne Esoterik.

„Als Malermeisterin und Feng-Shui-Expertin habe ich meine Leidenschaft für Farben und Handwerk schon früh entdeckt. Es war mir immer wichtig, Räume nicht nur ästhetisch, sondern auch energetisch in Einklang zu bringen. Als ich merkte, dass es kein adäquates Hilfsmittel in Form einer Farbkarte gab, das die Prinzipien des Feng Shui berücksichtigt, entschloss ich mich, selbst aktiv zu werden. 2016 ha

be ich die apprico® COLOURS entwickelt – eine einzigartige Farbpalette, die es jedem ermöglicht, die 5 Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser in Balance zu bringen. Meine Arbeit vereint traditionelle Handwerkstechniken mit den Prinzipien der asiatischen Harmonielehre. So entstehen individuelle, harmonische Lebensräume, die weit über das Oberflächliche hinausgehen. Ich bin überzeugt, dass Farbe eines der mächtigsten Gestaltungsmittel ist, um Wohlbefinden und Harmonie zu fördern – und das möchte ich auch anderen zugänglich machen, unabhängig von ihrer Feng-Shui-Erfahrung.

Raumakte Nr. 4. Morgen.
23/08/2026

Raumakte Nr. 4. Morgen.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEINProfessor Dr. Johannes FalkenbergJohannes kenne ich inzwischen seit ungefähr 15 Jahren. Und ne...
21/08/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN

Professor Dr. Johannes Falkenberg

Johannes kenne ich inzwischen seit ungefähr 15 Jahren. Und nein, wir waren uns bei unserer ersten Begegnung nicht sofort einig.

Wir standen damals bei einem Bauprojekt über einem Grundriss und diskutierten über einen Bereich des Hauses, den wir beide problematisch fanden. Nur aus völlig unterschiedlichen Gründen. Johannes argumentierte als Architekt, ich kam aus dem Feng Shui und aus dem Handwerk. Irgendwann merkten wir, dass wir eigentlich über dasselbe Problem sprachen. Nur in zwei verschiedenen Sprachen.

Das war der Anfang.

Professor Dr. Johannes Falkenberg ist heute 68, Architekt und Geomant und einer der Menschen, deren Meinung ich hören möchte, wenn ein Fall ungewöhnlich oder besonders komplex wird.

Nicht, weil ich selbst keine Grundrisse lesen kann. Ganz im Gegenteil. Aber Johannes sieht manches aus einer anderen Perspektive als ich. Er schaut auf die Architektur, die Proportionen, die Wege durch ein Gebäude, auf das Grundstück und seine Umgebung. Ich komme häufig stärker vom Menschen und seiner tatsächlichen Nutzung der Räume.

Und manchmal widersprechen wir uns auch heute noch.

Das ist einer der Gründe, warum ich so gern mit ihm arbeite.

Bei Sabine und ihrem Haus voller Elefanten war Johannes übrigens nicht dabei. Aber ein Haus, bei dem ausgerechnet im Südwesten innen und außen ein großer Bereich fehlt, wäre durchaus etwas, worüber wir uns bei einem Kaffee und einem ausgebreiteten Grundriss länger unterhalten könnten.

Denn ein Grundriss zeigt nicht nur, wo eine Wand steht.
Manchmal zeigt er ziemlich deutlich, was in einem Haus keinen Platz bekommen hat.

Anna Falk

19/08/2026
Raumakte Nr. 3DAS HAUS DER ELEFANTEN„Frau Falk?“ Anna drehte sich um. Eine dunkelhaarige Frau um die fünfzig kam ihr übe...
17/08/2026

Raumakte Nr. 3
DAS HAUS DER ELEFANTEN

„Frau Falk?“ Anna drehte sich um. Eine dunkelhaarige Frau um die fünfzig kam ihr über den gepflasterten Weg entgegen und streckte ihr die Hand hin. „Sabine Reinhard. Schön, dass Sie da sind.“ Gemeinsam gingen sie zur Haustür. Links und rechts neben dem Eingang stand jeweils ein großer Elefant aus Stein. „Die beiden passen auf das Haus auf“, sagte Sabine und schloss auf. Anna nickte.

In der Diele stellte Anna ihre alte Ledertasche ab und schaute sich um. Der Raum war groß, hell und aufgeräumt, mit glattem Steinboden, weißen Wänden und einer offenen Treppe. Auf einer schmalen Konsole stand ein Elefant aus dunklem Holz.

„Meine neue Friseurin hat mir von Ihnen erzählt“, begann Sabine, während sie vorausging. „Sie haben ihren Salon umgestaltet.“ Sie nannte den Namen, und Anna nickte. „Ja, natürlich.“ „Ich war gleich beim ersten Besuch begeistert. Es fühlt sich alles darin ruhig und leicht an. Ich habe mich so wohlgefühlt. Seitdem denke ich, so etwas könnte ich bei mir auch gebrauchen.“

„Worum geht es genau?“

„Um mein Arbeitszimmer.“

Das kleinere der beiden Arbeitszimmer lag zur Straßenseite. Es war ordentlich und hochwertig eingerichtet, wirkte aber eng. Ein dunkler Schreibtisch stand an der Wand, daneben Aktenschränke und Regale. Das einzige Fenster war nicht besonders groß. „Hier arbeite ich zwei Tage in der Woche“, erklärte Sabine. „Die anderen Tage bin ich in der Kanzlei.“

Anna ließ den Blick durch den Raum gehen. „Was stört Sie?“ „Eigentlich alles ein bisschen. Es ist dunkel, eng und ich sitze einfach nicht mehr gern hier.“ Sabine öffnete die Tür zum Nachbarzimmer. Der Unterschied war sofort spürbar. Zwei große Fenster gingen zum Garten, der Raum war fast doppelt so groß und deutlich heller. Auf dem Schreibtisch standen eine alte Leuchte und ein leerer Stifthalter. Einige Ordner lagen im Regal, auf der Fensterbank drei kleine Elefanten.

„Das ist das Arbeitszimmer meines Mannes.“ „Arbeitet er hier?“ „Schon seit Jahren nicht mehr.“ Sabine ging zum Fenster. „Wir sind beide Rechtsanwälte. Als wir das Haus gebaut haben, dachten wir, wir würden regelmäßig von zu Hause arbeiten. Michael hat den größeren Raum genommen, ich den kleineren.“

„Und jetzt möchten Sie tauschen.“

„Nach zehn Jahren darf ich das vielleicht.“ Sie lächelte, doch Anna hörte, dass der Satz nicht nur scherzhaft gemeint war.

„Darf ich mir vorher das ganze Haus ansehen?“

„Natürlich. Aber eigentlich geht es wirklich nur um die beiden Zimmer.“

Im Flur hing ein großes Bild mit einer Elefantenherde. Im Gästezimmer stand eine Figur auf dem Nachttisch, in der kleinen Bibliothek hielten zwei bronzene Elefanten die Bücher im Regal zusammen.

„Nutzen Sie die Bibliothek oft?“ „Nicht wirklich.“

Im ersten Bad stand ein Elefant als Kerzenhalter, im zweiten saßen zwei kleine Figuren auf dem Fenstersims. Im Gäste-WC blieb Anna vor dem Toilettendeckel stehen. Auch dort Elefanten. Sabine folgte ihrem Blick. „Der ist schlimm, oder?“ „Er fällt auf.“ „Ich weiß gar nicht mehr, warum ich den gekauft habe.“

„Den Gedanken hat vermutlich jeder schon einmal nach einem Einkauf gehabt.“ Anna lächelte.

Unten öffnete sich das Haus in einen großen Wohnbereich. Küche, Esszimmer und Wohnzimmer gingen ineinander über. Die Möbel waren geradlinig und dunkel, die Böden glatt, die Fensterflächen groß. Jeder Schritt war zu hören. Auf dem Kamin standen vier Elefanten, zwei weitere auf dem Sideboard. Einer diente als Blumentopf, ein anderer trug eine Kerze. Auf dem Couchtisch stand eine Figur aus Glas.

Anna ging zum Fenster und sah in den Garten. Das Grundstück war groß und gepflegt, hinter der Garage zog es sich noch weit um das Haus herum.

„Wie viele Menschen leben hier?“ „Zwei.“ Anna sah auf den langen Esstisch mit acht Stühlen. „Und unter der Woche?“ Sabine schwieg kurz. „Nur ich.“ „Keine Kinder?“ „Nein. Wir wollten beide keine.“ „Dann haben Sie sehr großzügig für zwei gebaut.“

„Das haben wir. Damals fanden wir das großartig.“

Sabine bot Kaffee an. Wenig später saßen sie sich auf der dunkelbraunen Ledercouch gegenüber, zwischen ihnen der gläserne Elefant. „Wo ist Ihr Mann unter der Woche?“ „Dreihundertfünfzig Kilometer entfernt.“ „Seit wann?“ „Fast zehn Jahre. Ein halbes Jahr nach unserem Einzug bekam Michael eine Führungsposition angeboten. Das war eine große Chance. Wir dachten, er macht das zwei oder drei Jahre.“

„Und daraus wurden zehn.“

Sabine nickte. „Er hat sich dort ein kleines Apartment genommen. Ich bin hiergeblieben. Meine Kanzlei ist im Ort, meine Kollegen sind hier. Ich konnte nicht einfach alles aufgeben.“ „Wann kommt er nach Hause?“ „Freitags.“ Anna wartete. Sabine sah in ihre Tasse. „Früher jedenfalls. Heute oft erst samstags. Manchmal gar nicht. Es ist immer irgendetwas, eine Besprechung, ein Geschäftsessen, zu viel Verkehr. Oder er sagt, für einen Tag lohne sich die Fahrt nicht.“ Sie strich mit dem Finger über den Tassenrand.

„Wie leben Sie hier unter der Woche?“ „Ich arbeite viel. Danach kümmere ich mich um das Haus, den Garten und alles, was anfällt.“ „Und wie geht es Ihnen damit?“ „Ich komme zurecht.“

Anna nickte. „Das glaube ich Ihnen. Aber ich habe nicht gefragt, ob Sie zurechtkommen.“ Für einen Moment sagte keine von beiden etwas.

„Man gewöhnt sich an vieles“, sagte Sabine leise. „Auch an Einsamkeit?“ Sabine sah zum Fenster. Dann glänzten ihre Augen verdächtig. „Entschuldigung. Ich wollte doch wirklich nur mein Arbeitszimmer verändern.“

„Vielleicht war das der Anlass. Aber vielleicht ist es nicht das Einzige, was wir uns ansehen sollten.“

Sabine wischte sich über die Wangen. „Das klingt jetzt ziemlich ernst.“ „Es ist erst einmal nur ein Gespräch.“ Anna sah auf den Elefanten auf den Couchtisch. „Seit wann sammeln Sie Elefanten?“

„Schon lange.“ „Wie lange ungefähr?“ Sabine überlegte. „Neun Jahre vielleicht.“ Anna sagte nichts.

Sabine sah sie an. „Das ist fast genau die Zeit, seit Michael weg ist.“

„Sind das Reiseerinnerungen?“

„Nur ein paar. Vier oder fünf vielleicht. Die meisten habe ich einfach gekauft. Auf Märkten, in Geschäften, im Urlaub. Als Blumentopf, Kerzenhalter oder Figur.“ Dann sah sie sich im Wohnzimmer um, als sähe sie es zum ersten Mal. „Es sind wirklich viele.“

„Sie sehen sie nicht mehr?“

„Offenbar nicht.“

„Das passiert fast jedem im eigenen zuhause sagte Anna.

Im Schlafzimmer war es nicht anders. Elefanten in jeder Form. Ein gerahmtes Hochzeitsfoto stand im Rahmen daneben. Kaum wahrnehmbar. Sabine und Michael standen darauf dicht nebeneinander und lachten in die Kamera.

„Das ist lange her“, sagte Sabine. „Achtzehn Jahre.“

Anna betrachtete das Foto und dann Sabine. Sie war auch damals keine zierliche Frau gewesen, aber sie wirkte beweglich und leicht. Heute war ihr Oberkörper kaum verändert, ihre Beine dagegen kräftig und schwer geworden. Anna sagte nichts dazu.

Im Garten zeigte Sabine ihr die Terrasse, den Bereich hinter der Garage und den dunklen Streifen an der Grundstücksgrenze. „Hier hinten machen wir eigentlich nichts.“ Das Grundstück sprang an dieser Stelle weit zurück. Auch im Haus selbst fehlte dort ein großer Teil.

Später breitete Anna den Grundriss auf dem Esstisch aus. „Hier fehlt dem Haus ein großer Bereich im Südwesten.“

„Ist das schlimm?“

„Ich arbeite nicht gern mit solchen Wörtern. Aber es ist deutlich. Der Südwesten steht im Feng Shui unter anderem für die Frau des Hauses und für die Partnerschaft. Bei Ihnen fehlt dieser Bereich innen und außen.“

Sabine sah sie an. „Und deshalb lebt mein Mann dreihundertfünfzig Kilometer entfernt?“ „Nein. So einfach ist es nicht. Ihr Mann hat eine berufliche Entscheidung getroffen. Aber ein Haus kann unterstützen, was wir leben, oder verstärken, was ohnehin schon da ist.“

„Und was verstärkt dieses Haus?“ „Dass Sie hier allein alles tragen. Dass Ihre Partnerschaft kaum noch im Alltag stattfindet. Und dass ausgerechnet der Bereich fehlt, der für Sie als Frau und für das gemeinsame Leben steht.“

Sabine sah wieder auf den Plan. „Und die Elefanten?“ „Die Elefanten sind nicht das Problem. Sie erzählen etwas. Sie stehen für Kraft, Ausdauer, Treue und Verlässlichkeit. Genau das haben Sie in den letzten Jahren gebraucht. Sie haben dieses Haus allein gehalten, den Garten, den Alltag und Ihre Arbeit. Sie haben gewartet und funktioniert.“ Sabine schwieg. „Nur braucht ein Mensch nicht immer noch mehr Stärke. Irgendwann braucht er auch Leichtigkeit.“ Sabine sah kurz auf ihre kräftigen Beine und dann wieder hoch. „Das ist schon etwas unheimlich.“ „Nein. Nur sichtbar.“

Aus dem geplanten Tausch der beiden Arbeitszimmer wurde ein größeres Projekt. Sabine bekam den hellen Raum mit Blick in den Garten. Der Schreibtisch wurde so gestellt, dass sie nicht mehr mit dem Rücken zur Tür saß und der Raum mit Farben gestaltet, die zu ihr passten.

Das kleinere Zimmer wurde für Michael neu eingerichtet, damit auch er zu Hause wieder einen eigenen, tatsächlich nutzbaren Platz hatte.

„Also werfen wir ihn nicht aus seinem Büro?“

„Nein. Wir holen Sie aus Ihrem kleinen heraus.“

Im restlichen Haus verbesserten Teppiche die Akustik, Gardinen nahmen den großen Fensterflächen ihre Härte, weichere Materialien und passende Farben brachten mehr Yin-Energie in die stark Yang geprägten Räume.

Das Schlafzimmer wurde vollständig neu geplant. Das alte Bett wurde ersetzt, die Elefanten verschwanden.

„Keiner darf bleiben?“ „Nicht hier.“ „Warum?“ „Weil dieses Schlafzimmer nicht noch mehr Stärke braucht.“

Auch der fehlende Südwesten wurde innen und außen ausgeglichen. Im Haus geschah das mit Licht, Farbe und einer klaren Gestaltung, im Garten wurde der bisher dunkle Bereich bewusst einbezogen und beleuchtet.

Die Elefanten wurden nicht entsorgt. Sabine wählte die Stücke aus, die ihr wirklich etwas bedeuteten. Sie bekamen einen neuen Platz in einem der kaum genutzten Zimmer. „Ein Elefantenmuseum“, sagte Sabine.

„So sieht es wenigstens nach einer Sammlung aus und nicht mehr nach einer Übernahme.“ bemerkte Anna bei ihrem abschließenden Besuch.

DIE RAUMAKTE IN KÜRZE

Problem: Kleines Arbeitszimmer, kaum gelebte Partnerschaft, fehlender Südwesten und ein stark Yang geprägtes Haus.

Auffällig: Elefanten in fast jedem Raum. Kraft, Ausdauer und Verlässlichkeit prägen das ganze Haus.

Lösung: Arbeitszimmer tauschen, mehr Yin ins Haus bringen, Schlafzimmer neu gestalten und den fehlenden Südwesten innen und außen ausgleichen.

Ergebnis: Sabine bekommt nicht nur einen besseren Arbeitsplatz. Im Haus entsteht wieder mehr Raum und Leichtigkeit für sie selbst und für das gemeinsame Leben.

Raumakte Nr. 3. Morgen.
16/08/2026

Raumakte Nr. 3. Morgen.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN.Leonie und ich stehen manchmal gemeinsam auf der Bühne. Und obwohl wir über dieselben Räume s...
14/08/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN.

Leonie und ich stehen manchmal gemeinsam auf der Bühne. Und obwohl wir über dieselben Räume sprechen, schauen wir auf ganz unterschiedliche Dinge.

Ich betrachte den Raum als Ganzes.

Leonie hat eine eigene Schreinerei. Sie schaut auf Holz, Konstruktionen, Einbauten und darauf, was sich handwerklich wirklich umsetzen lässt. Sie weiß, wie aus einer Idee eine saubere Lösung wird.

Bei Raumakte 2 war sie diejenige, die Robert auf mich aufmerksam gemacht hat. Sie kannte ihn von der Innungsversammlung und wusste, dass seine Schreinerei gut läuft. Trotzdem hatte sie im Gespräch gespürt, dass hinter seinem Problem mit den Mitarbeitern mehr stecken könnte als eine reine Führungsfrage.

Vielleicht auch deshalb, weil sie meine Arbeit inzwischen kennt und weiß, dass Räume manchmal etwas sichtbar machen, worüber Menschen zunächst ganz anders sprechen.

Genau deshalb arbeite ich so gerne mit Leonie zusammen.

Raumakte Nr. 2DER CHEF, DEM ALLE AUF DEM KOPF HERUMTANZEN„Du solltest Dir den Betrieb einmal ansehen“, sagte Leonie Hart...
10/08/2026

Raumakte Nr. 2
DER CHEF, DEM ALLE AUF DEM KOPF HERUMTANZEN

„Du solltest Dir den Betrieb einmal ansehen“, sagte Leonie Hartmann am Telefon. Sie kannte Robert von der Innungsversammlung. Ein hervorragender Schreinermeister, neun Mitarbeiter, gute Auftragslage. Eigentlich lief alles. Trotzdem hatte Robert irgendwann erwähnt, dass es mit seinen Mitarbeitern nicht mehr richtig rundlief. „Und warum braucht er mich?“, fragte Anna. „Das musst Du ihn selbst fragen.“ Leonie hatte ihm erklärt, was Anna machte. Zumindest hatte sie es versucht. „Was hast Du ihm gesagt?“ „Dass Du Räume lesen kannst.“ Anna seufzte. „Das klingt nach Kaffeesatz.“ „Dann erklärst Du es ihm besser.“

Zwei Wochen später stand Anna vor der Schreinerei am Rand eines kleinen Gewerbegebietes. Der Betrieb war gepflegt, die Fassade frisch gestrichen, das Firmenschild aus Holz schlicht und sauber gearbeitet. Durch die Fenster sah sie Möbelstücke, Materialmuster und ein Sideboard mit so schmalen Fugen, dass man zweimal hinsehen musste. Robert kam ihr entgegen. Mitte dreißig, kräftige Hände, dunkles Haar. „Frau Falk?“ „Anna Falk. Und bevor wir anfangen: Reden wir per Du oder per Sie?“ Robert grinste. „Wir sind doch beide vom Handwerk. Robert.“ „Anna.“ Damit war die Sache erledigt. „Leonie hat mir erzählt, dass Du ein sehr guter Schreiner bist“, sagte Anna, als er ihr die Tür öffnete. „Warum ich hier bin, hat sie mir nicht gesagt.“ Robert deutete auf eine Treppe. „Das besprechen wir unten.“

Im Keller lagen die Umkleiden, die Toiletten, ein Besprechungsraum und Roberts Büro. Der Besprechungsraum war hochwertig eingerichtet. Ein großer Holztisch stand in der Mitte, an den Wänden hingen Musterplatten, Fronten und Griffe, in sauber gearbeiteten Einbauschränken lagen Holz- und Materialproben. Trotzdem wirkte der Raum eng. Die Decke war niedrig, die kleinen Kellerfenster saßen knapp darunter, vor den Lichtschächten lagen Metallgitter. Draußen liefen Beine vorbei. „Hier empfangt Ihr auch die Kunden?“ Robert nickte. Früher sei es ein einfacher Kellerraum gewesen, inzwischen hätten sie ihn vollständig ausgebaut. Anna ließ den Blick noch einmal durch den Raum wandern. Robert hatte viel dafür getan, dass man den Keller vergaß. Aber jeder Kunde musste erst hinuntersteigen, bevor überhaupt über Möbel, Räume und Möglichkeiten gesprochen wurde. Schön war der Raum. Doch Schönheit allein änderte nichts an seiner Lage.

Im Büro standen zwei Schreibtische, Aktenschränke und mehrere Regale. Der zweite Arbeitsplatz gehörte Roberts Sekretärin, die an drei Tagen in der Woche kam. „Du arbeitest jeden Tag hier unten?“ „Meistens.“ „Seit wann?“ „Seit der Übernahme.“ Während Robert Kaffee machte, hörte Anna über sich Schritte. Dann wurde etwas Schweres über den Boden geschoben. Sie sah kurz zur Decke. Noch wusste sie nicht, ob das Geräusch mit Roberts Problem zusammenhing, aber sie merkte es sich. „Was befindet sich direkt über Deinem Schreibtisch?“ Robert blickte nach oben. „Die Hobelbänke.“

Sie setzten sich. Robert erzählte, dass die Schreinerei gut lief. Er hatte den Betrieb vor fünf Jahren von seinem Vater übernommen, die Werkstatt modernisiert, neue Kunden gewonnen und drei Mitarbeiter eingestellt. Sechs der neun Männer hatten bereits beim Senior gearbeitet. Alle waren zuverlässig, die Auftragslage war stabil, niemand hatte gekündigt. „Wo liegt dann das Problem?“ Robert zögerte. Es werde zu viel diskutiert. Über Arbeitsabläufe, Entscheidungen und manchmal auch über Kleinigkeiten. Wenn er etwas festlegte, kam häufig der Hinweis, sein Vater hätte es anders gemacht.

Vor einigen Tagen hatten sie einen Einbauschrank gefertigt. Weil die Wand beim Kunden stark aus dem Lot lief, wollte Robert die Rückwand anders lösen. Einer der älteren Mitarbeiter hatte sofort gefragt, ob der Senior das genauso gemacht hätte. „War Deine Lösung fachlich richtig?“, fragte Anna. „Ja.“ „Und warum hast Du Dich trotzdem erklärt?“ Robert nahm seine Tasse, trank aber nicht.

Sein Vater sei klar gewesen. Wenn er etwas sagte, wurde es gemacht. Ein Schreinermeister der alten Garde, aber keiner, der neue Ideen ablehnte. Er hatte sich weitergebildet, fachlich sichere Entscheidungen getroffen und kam mit den Kunden hervorragend zurecht. Sie schätzten seine Kompetenz und mochten sein verschmitztes Lächeln. Als er den Betrieb übergab, war Robert dreißig, sein Vater neunundsechzig. Im ersten Jahr kam der Senior noch gelegentlich vorbei, wenn Fragen auftauchten. Inzwischen war er vollständig ausgestiegen und reiste mit seiner Frau. Die beiden holten nach, wozu sie während der vielen Arbeitsjahre nie gekommen waren. „Mischt er sich heute noch ein?“ „Nein. Überhaupt nicht.“ Robert sagte es sofort. Anna glaubte ihm. Der Vater war nicht das Problem.

„Warum bin ich dann hier?“ „Das habe ich doch erklärt.“ „Du hast mir erklärt, was Deine Mitarbeiter tun. Ich möchte wissen, was das mit Dir macht.“ Robert blickte zu dem kleinen Fenster. Über das Gitter lief ein Mitarbeiter hinweg. „Darf ich offen sprechen?“, fragte Anna. Robert nickte. „Du führst einen erfolgreichen Betrieb. Trotzdem sitzt Du hier unten und erklärst mir, warum Deine Entscheidungen richtig sind.“

Robert schwieg. Dann sagte er leise: „Manchmal habe ich das Gefühl, die sehen in mir noch immer den Sohn vom Chef.“ „Und nicht den Chef?“ „Nein.“ Anna wartete. „Ich kann mich nicht richtig durchsetzen“, sagte Robert schließlich. „Die tanzen mir auf dem Kopf herum.“

Im selben Moment wurde über ihnen etwas verschoben. Holz scharrte dumpf über den Boden. Anna hob den Blick. Das Geräusch, das sie sich vorhin gemerkt hatte, passte plötzlich zu allem, was Robert erzählt hatte. „Das tun sie tatsächlich.“ Robert folgte ihrem Blick. „Du meinst das Büro?“ „Ich meine Deine Position im Betrieb. Du sitzt unten. Deine Mitarbeiter arbeiten über Dir.“

Robert erklärte, dass sein Vater nach der Übergabe weiterhin im Meisterbüro oben gesessen hatte. Deshalb hatte er sich im Keller eingerichtet. Er wollte den Senior nicht aus einem Raum drängen, in dem dieser jahrzehntelang gearbeitet hatte. Anna verstand die Entscheidung. Sie war menschlich richtig gewesen, aber sie war als Übergang gedacht. Nur hatte niemand den Übergang beendet. „Wo war dieses Büro?“ „In der Werkstatt.“ „Dann zeig es mir.“

Die Werkstatt war hell, großzügig und hervorragend organisiert. Maschinen, Werkzeuge und Material hatten feste Plätze, der Boden war sauber, die Wände frisch gestrichen. Mehrere Männer grüßten Robert. Einer hob kurz die Hand, ein anderer nickte Anna zu. Niemand wirkte unfreundlich oder offen respektlos. Anna sah sich um. Hier gab es keinen Betrieb, der gerettet werden musste. Nur einen Chef, der an der falschen Stelle saß.

Das frühere Meisterbüro lag in einer geschützten Ecke der Werkstatt. Eine breite Fensterfläche öffnete sich zur Halle. Von dort aus konnte man die Arbeitsplätze, die Hobelbänke und einen der Zugänge überblicken. Wer dort saß, war sichtbar und erreichbar, ohne mitten zwischen Maschinen und Lärm zu stehen. Inzwischen diente der Raum als ordentliches Lager für kleinere Maschinen, Beschläge und empfindliche Werkzeuge.

Anna blieb an der Fensterfläche stehen. Der Senior hatte nicht einfach ein Büro gehabt. Er hatte den natürlichen Führungspunkt des Betriebes besetzt. Hinter ihm eine feste Wand, vor ihm die Werkstatt, seitlich geschützt und dennoch mitten im Geschehen. Robert hatte diesen Platz nicht verloren. Er hatte ihn nie übernommen.

„Von hier aus hatte Dein Vater alles im Blick“, sagte sie. Robert nickte. „Ich wollte ihn damals nicht hier raussetzen.“ „Das war richtig. Aber er ist seit vier Jahren nicht mehr da.“ Robert sah durch die Scheibe in die Werkstatt. „Du meinst, ich muss hierher zurück.“ „Ja.“ „Und das Lager?“ „Wird neu verteilt. Was Du selten brauchst, kommt nach unten. Alte Akten, abgeschlossene Aufträge, Unterlagen mit Aufbewahrungsfrist und selten benötigte Muster müssen nicht oben stehen. Der Keller ist nicht falsch. Er ist nur der falsche tägliche Arbeitsplatz für den Chef.“

Robert blieb dort stehen, wo früher der Schreibtisch seines Vaters gestanden hatte. „Mein Vater wusste offenbar, was er brauchte.“ „Das wusste er.“ Anna ließ sich zeigen, welche Unterlagen täglich gebraucht wurden und welche seit Jahren Platz belegten. Schnell wurde klar, dass nicht Raum fehlte. Die Aufgaben der Räume waren nur durcheinandergeraten.

Auch der Besprechungsraum konnte bleiben. Anna schlug an einer freien Wand ein großes Naturmotiv vor, auf Stoff gedruckt und von hinten beleuchtet. Keine dekorative Waldtapete, sondern Landschaft, Himmel und Tiefe. Das Bild sollte den Blick von den vergitterten Kellerfenstern weglenken und dem Raum Weite geben. Ein großer Teppich unter dem Tisch würde die Akustik verbessern, die Sitzgruppe zusammenfassen und dem Raum einen Teil seiner Härte nehmen. Die Muster, Fronten und Holzarten blieben. Sie gehörten zur Schreinerei, sollten aber nicht länger den gesamten Raum bestimmen.

Robert setzte die Veränderungen selbst um. Alte Akten, abgeschlossene Aufträge und selten benötigte Unterlagen kamen in die vorhandenen Schränke im Keller. Für Werkzeuge und Beschläge baute er neue, staubdichte Schränke. Im früheren Meisterbüro entstanden zwei Arbeitsplätze für ihn und seine Sekretärin. Seinen Schreibtisch stellte er nicht genau an die frühere Position seines Vaters, sondern etwas versetzt, mit freiem Blick in die Werkstatt und einer festen Wand im Rücken. Diese Wand bekam einen Farbton aus dem Element, das ihn unterstützte. Neben der Tür entstand ein kleiner Platz für kurze Gespräche mit den Mitarbeitern.

„Mein Vater saß immer dort“, sagte Robert und deutete auf die frühere Position. „Du baust nicht sein Büro wieder auf“, antwortete Anna. „Du baust Deins.“ Robert sah auf seine Zeichnung. „Genau.“

Die Veränderung fiel den Mitarbeitern sofort auf. Einer der älteren Männer blieb am ersten Morgen in der Tür des neuen Meisterbüros stehen, sah sich kurz um und nickte. „Jetzt sitzt der Chef endlich wieder da, wo er hingehört.“

Robert sah ihn einen Moment lang an. Dann blickte er durch die Scheibe hinaus in die Werkstatt. „Ja“, sagte er. „Das glaube ich auch.“

DIE RAUMAKTE IN KÜRZE
Robert führte eine erfolgreiche Schreinerei, arbeitete mit seiner Verwaltung jedoch im niedrigen Keller, direkt unter den Hobelbänken seiner Mitarbeiter. Das frühere Meisterbüro des Seniors lag geschützt und mit Überblick in der Werkstatt. Robert verlegte seinen täglichen Arbeitsplatz zurück nach oben, nutzte den Keller künftig für Akten und selten benötigte Dinge und wertete den Besprechungsraum mit einem hinterleuchteten Naturmotiv und einem Teppich auf. Damit wurde auch sein Platz als Chef im Betrieb wieder sichtbar.

Raumakte Nr. 2. Morgen.
09/08/2026

Raumakte Nr. 2. Morgen.

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN.Thomas und ich schauen auf denselben Grundriss. Aber jeder sieht etwas anderes.Ich betrachte ...
07/08/2026

ANNA ARBEITET NICHT ALLEIN.

Thomas und ich schauen auf denselben Grundriss. Aber jeder sieht etwas anderes.

Ich betrachte den Raum als Ganzes.

Thomas schaut in den Versorgungsschacht, prüft die Leitungen und weiß oft schon nach wenigen Minuten, was technisch möglich ist.

Bei Raumakte 1 war für ihn sofort klar: Die Waschmaschine und der Trockner gehören zurück in den Keller. Genau dafür war der Raum ursprünglich vorgesehen.

Ich glaube nicht an endlose Analysen. Mir ist wichtig, dass aus Erkenntnissen Veränderungen entstehen. Deshalb entwickeln wir nicht nur Ideen, sondern setzen sie auch gemeinsam um.

Genau deshalb arbeite ich so gerne mit Thomas zusammen.

Anna Falk

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Partida Tossalet 136
Denia
03700

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